Die Vermessung des Ichs: Was Zahlen über einem (nicht) sagen

Seit etwa drei Jahren zeichne ich mit einer GPS-Uhr jeden einzelnen meiner Läufe auf.
Warum? Es ist so einfach und es ist so befriedigend. Man drückt auf den Knopf und schaut sich am Wochenende an, ob man es denn geschafft hat, die 100 Kilometer zu knacken. Man schaut auf die digitale Weltkugel und überlegt, wo es einem das nächste Mal hintreibt, um seine digitalen Fußabdrücke zu hinterlassen. Wie eine Expedition in unbekannte Territorien.

GC

Die Vermessung des Ichs: Was sagen die Daten im übergeordneten Sinne über einen Menschen aus?  Persönlichkeitsstörung und Weglaufen oder Disziplin und Durchhaltevermögen?

Egal ob es das Sammeln von (Höhen-)Metern, neue Rekorde bei Strava-Segmenten jagen, Gleichgesinnte und Anerkennung finden oder digitale Auszeichnungen sammeln:
Ähnlich wie man sich beim Level 1 in einem Computerspiel langsam hocharbeitet, so haben es die Hersteller von „Smart Devices“ längst geschafft, diese Mentalität in den (sportlichen) Alltag zu integrieren.

Dass Mc Donalds Monopoly süchtig machen kann und auf Dauer ungesund ist, ist fast jedem klar. Dass Krankenkassen durch die Vermessung jedes Mitglieds völlig neue Geschäftsmodelle entwerfen auch.

Doch wie sieht es aus mit der Vermessung der Persönlichkeit?
Wann wird die Routine zur Sucht? Wo liegen die Grenzen überhaupt?

Unbenannt

Hosen runter: Zahlen müssen immer in dessen Kontext interpretiert werden und können in der Rohform irreführend sein.

Egal ob Hobby oder Beruf, ich durchlaufe immer die selben Schritte:

1. innere Motivation etwas zu tun (z.B. Laufen, um sich fitter und gesünder zu fühlen)
2. Ziel suchen (Ich will 2020 101 Kilometer um den Mont Blanc „rennen“)
3. Routine aufbauen (Im Gegensatz zu den Mitmenschen fällt einem die Aufgabe leichter)
4. Volumen/Workload erhöhen (Abläufe werden automatisiert, der Körper passt sich an)
5. Fail, Finish & Repeat (Trennung Spreu vom Weizen: Geht es darum, allen etwas zu beweisen außer sich selbst, sollte man wohl besser die Notbremse ziehen und sich einer neuen Aufgabe versuchen)

Smart Devices sind Neid und Leid zugleich. Sie können dabei eine Motivationsstütze sein, nicht locker zu lassen. Sie bieten Austausch mit anderen Gleichgesinnten. Sie motivieren, auch bei Mistwetter die Kilometer abzuschrubben. Sie sind aber auch unfassbar trügerisch und gefährlich, wenn man sich nur auf sie verlässt.
Man rennt in einem Hamsterrad und kommt nicht mehr hinaus. Man überhört körperliche Signale und findet keinen Spaß.

Spätestens dann heißt es: Einfach mal Laufen, ohne „Smart Device“.

Ohne Plan, ohne Ziel.

Einfach so.

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