„Wohin läufst du?“

Viele fragen mich: „Wieso machst du so etwas?“. Freiwillig am Samstagmorgen aufzustehen, um 66 Kilometer um die Stadt zu laufen. Einfach so. Ich habe keine Antwort auf diese Frage. Aber ich stelle mir diese Frage selber sehr oft.

Allgäumarathon 2016

Doch hiermit bin ich nicht allein. Die Zahlen von neuen Ultra-Marathon Veranstaltungen sind in den letzten Jahren regelrecht durch die Decke gegangen. Alleine in Deutschland findet man jedes Wochenende eine Ultra-Distanz im Rennkalender. Ultra geht Mainstream. Der Marathon ist nicht genug. Es muss weiter, höher und steiler werden. Vor 20 Jahren hätte man solche Leute vermutlich noch für verrückt erklärt. Heute muss man schon die 100 Kilometer laufen, um im Bilder- und Videowald der sozialen Medien vielleicht ein paar Likes mit Smiley zu bekommen. Woher kommt diese Entwicklung?

Leidenschaft kommt von Leiden.

Eine einfache, doch wohl wahre Antwort ist: Uns geht es schlichtweg zu gut. Wenn es so etwas wie „zu gut“ überhaupt gibt. Alexa bucht unseren nächten Urlaub, Garmin generiert aus HF- & Distanz-Daten den perfekt abgestimmten Trainingsplan und Elster füllt bald unsere Steuererklärung innerhalb von Milisekunden aus. Die Technik macht das Leben konfortabel und schafft Platz für mehr Zeit. Zeit für eine Leidenschaft zum Beispiel.

„Sometimes you just do things.“ 

Dabei stellt das Laufen die natürlichste und älteste „Sportart“ des Menschen dar. Doch Laufen ist nicht so monoton wie viele „Nicht-Läufer“ häufig denken. Laufen ist die Beste Form, Land und Leute kennen zu lernen. Jeder Lauf, der mich an meine Grenzen stellt, ist wie das eigentliche Leben in Kurzform. Ein rauf und runter. Ein „up and down“ der Gefühlswelt.

Ziele setzten, Routine implementieren, Spaß haben.

Es geht um das große Ganze. Die Naturverliebtheit. Die Sehnsucht nach Abenteuer und neuen Entdeckungen. Nach Kulturen und Menschen. Laufen verbindet. Laufen ist global.

In diesem Sinne. Frohes Laufen.

Til